bbz Siegen
HdB Siegen-Wittgenstein
Presse Bericht

Knigge-Broschüre als Wegweiser für Lehrer und ihre Schützlinge

22.07.2007 01:48

Die Rückkehr des Knigge
Knigge – ein Name, der für sich steht. Doch was weiß die Jugend heute noch über Respekt und Benimm? Das Berufsbildungszentrum (bbz) macht dies zum Thema. Prominenter Gast: Moritz Freiherr von Knigge.

Der Urahne des berühmten Adolph Freiherrn von Knigge, der als „Benimmpapst“ in die Geschichte eingegangen ist, war bei der Präsentation einer neuen bbz-Broschüre mit dabei. Dieses Heft richtet sich an Neun- und Zehntklässler, die sich langsam auf dem Weg in den Beruf befinden. „In einer Umfrage der IHK wurde deutlich, dass 90 Prozent der befragten Unternehmer meinten, dass die Mehrzahl der junger Bewerber über schlechtere Umgangsformen als früher verfügt“, berichtet bbz-Geschäftsführer Klaus Gräbener. An diesem Punkt setzt sein Team an. In den vergangenen Monaten wurden „Knigge-Kurse“ an Schulen durchgeführt. Dabei standen Kleidung, Respekt, aber auch Essmanieren und Benimm ganz oben auf der Tagesordnung.
„Wir haben die Schüler auch mit Behinderten, Müttern mit Kind und älteren Menschen zusammen gebracht, um mit ihnen anhand dieser Beispiele den Bereich Respekt durchzusprechen“, erklärte Uta Fiedler, Leiterin der Servicestelle des bbz´s für Schule und Beruf.
Der Höhepunkt des Einsatzes für das Thema Respekt und Umgangsformen ist jedoch die Broschüre „Die Rückkehr des Knigge“. Auf 85 Seiten präsentiert das bbz die Figuren Shirin, Maik und natürlich Knigge, die sich den Weg durch die Welt des Benehmens bahnen. Dabei bekommen Lehrer Tipps, wie sie sich diesem Thema nähern können. „Grüßen und begrüßen“, „Telefonieren und Handy“ sowie „Achtung und Respekt“ sind nur einige Schlagwörter. Aufgabenstellungen erhalten die Pädagogen ebenfalls. Die Figuren wurden von Schülern erdacht und von Matthias Kringe zeichnerisch umgesetzt.

Dass es in der Welt junger Menschen oft an Umgangsformen mangelt, wusste auch die neue Schulrätin des Kreises Siegen-Wittgenstein Ulla Barth zu bereichten. „Neulich kam ich voll bepackt in die Schule, konnte die Tür nur mit Mühe öffnen, als ein Fünftklässler einfach an mir vorbei flitzte“, erinnerte sie sich. Als sie ihm erklärt habe, dass es doch schön gewesen wäre, wenn er ihr geholfen hätte, merkte sie, dass er diese Regel nicht kannte. „Beim nächsten Mal hielt er mir strahlend die Tür auf“, lachte Ulla Barth.

Diesen Effekt erhofft sich das bbz auch von der Broschüre. Zunächst werden etwa 370 Schüler in Lehrgängen das Thema „Knigge“ kennen lernen“, betont Klaus Gräbener. Doch das Ziel sei, dass Lehrer irgendwann den Stoff in ihren Unterricht einbauten.
Dieser Ansatz gefiel auch Moritz Freiherr von Knigge. Dabei sei ihm eines wichtig: „Knigge bedeutet respektvollen Umgang, nicht Etikette.“ Oft werde mit dem „wohl bekanntesten Familiennamen in Deutschland“ etwas Negatives verbunden. „Knigge“ ist steif und spießig, denken viele“, meint Baron Knigge. Dabei bedeute „Knigge“ für ihn Respekt. Schließlich habe sein Urahne in seinem oft als „Benimm-Fibel“ betitelten Buch von 1788 nur einen Satz über Etikette geschrieben. Sein schönstes Beispiel: „Wenn eine Gruppe in einem feinen Lokal Hummer isst, den Frauen ein Handkuss gegeben und die Tür aufgehalten wird, heißt das nicht, dass es feine Menschen sind.“ Wie man dies überprüfen kann, weiß er: „Man muss beobachten, wie sie mit dem Personal umgehen, dann weiß man, ob sie tatsächlich höflich sind.“
Auch Etikette-Trainerin Lis Droste kennt das. „Respekt“ und „Toleranz“ sind für sie Eckpfeiler. „Dafür muss man die Jugend sensibilisieren“, meint sie. Das ist auch das Ziel des bbz-Projektes rund um „Knigge“. Neben der Broschüre steht in den Knigge-Kursen dann auch Spaghettiessen in schicker Kleidung an.

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