Fordern und Fördern
02.10.2007 01:40
Hautpschüler haben bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz gegenüber Schulabgängern anderer Schulformen meistens schlechtere Karten. Um ihre Vermittlungschancen in feste Ausbildungsverhältnisse zu erhöhen, macht Siegen-Wittgenstein ihnen seit wenigen Wochen unter Moderation des Berufsbildungszentrums der IHK Siegen ein besonderes Angebot.
Seit September werden 135 Zehntklässler der Hauptschulen in einem „Regionalen Haus der Berufsvorbereitung“ für die Lehrstelle fit gemacht. Konkret bedeutet dies, dass die Jugendlichen ein Langzeitpraktikum bei regionalen Bildungseinrichtungen absolvieren, was ihnen den Einstieg in eine Ausbildung erleichtern soll. Beteiligt sind neben dem Berufsbildungszentrum der IHK auch die überbetrieblichen Lehrwerkstätten und Schulungseinrichtungen AWZ Bau, DAA, bfw und BZW.
Und der Andrang auf das Berufsvorbereitungsprojekt war groß: Über 220 Mädchen und Jungen aus 20 Schulen des gesamten Kreisgebietes hatten sich um einen Platz im haus der Berufsvorbereitung beworben. Die Anzahl der Bewerber übertraf ebenso die Erwartungen der Organisatoren, wie die Finanzierungszusagen. Seit Beginn des Jahres kam ein Fördervolumen von rund 1,85 Millionen Euro zusammen. Besonders erfreulich: Neben dem Kreis Siegen-Wittgenstein (700.000 Euro), der ARGE (250.000) und der Agentur für Arbeit (370.000) stellte die regionale Wirtschaft bisher Finanzmittel in Höhe von 271.000 Euro bereit. Hinzu kommen Mittel der BP-Stiftung, der Grohe-Stiftung sowie der Deutsche-Bank-Stiftung von noch einmal 265.000 Euro.
„Es ist damit gelungen, eine breite Initiative zur Stärkung der Hauptschulen im Kreis Siegen-Wittgenstein in Gang zu setzen, für die es landesweit keine Parallelen gibt und die nahezu ausschließlich aus der Region heraus finanziert wird“, erklärte Klaus Gräbener, zuständiger Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung der IHK Siegen und in Personalunion Leiter des Berufsbildungszentrums , nicht ohne Stolz. Er möchte die Hauptschüler – ähnlich dem bereits abgeschlossenen Werkstattprojekt – fördern aber auch fordern. Die Mädchen und Jungen durchlaufen freiwillig jeweils freitags nachmittags und samstagvormittags einen ihre Schulzeit ergänzenden Lehrgang von rund 570 Unterrichtsstunden. Da die fünf verschiedenen Bildungseinrichtungen mit im Boot sind, tragen sie Sorge dafür, dass die Jugendlichen inhaltlich in unterschiedliche Berufsfelder eingeführt werden und nach Ende der zehnten Klasse mit großer Wahrscheinlichkeit nahtlos in eine betriebliche Lehrstelle wechseln. Voraussetzung: Die Teilnehmer müssen mit einer Präsenzquote von mindestens 90 Prozent beweisen, dass sie über die notwendigen Sekundärtugenden verfügen.

„Es sind keineswegs allein fachliche Defizite, die die Betriebe bei den Hauptschülern ausmachen“, erzählt Projektleiterin Uta Fiedler von ihrer täglichen Arbeit. „Vor allem mangelt es nach Auffassung der Personalverantwortlichen an grundsätzlichen Dingen wie Fleiß, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Zuverlässigkeit oder Ausdauer. Auch die nötige Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft werden vermisst.“ Zurzeit ist die bbz-Mitarbeiterin damit beschäftigt, das Projekt weiter voranzutreiben und es zu optimieren. Dabei kämpft sie häufig mit den gleichen Problemen. Das größte davon besteht darin, dass die Berufswahl junger Menschen immer noch sehr stark klischeebehaftet ist. Während die Männer in den Bereich Kraftfahrzeugmechaniker und Einzelhandelskaufmann ihren Traumjob sehen, liegen bei den Mädchen Bürokauffrau, Arzthelferin und Friseurin auf der Beliebtheitsskala ganz oben. „Berufe, in denen die Bezahlung nicht immer die beste ist. Hinzu kommt eine schwerere Vermittlung“, bemängelt Fiedler. „Heutzutage sollten Frauen darüber nachdenken, ob sie sich nicht vorstellen können, in den Blaumann zu schlüpfen und sich für die Ausbildungen im Bereich Metall interessieren.“
Typische Männerdomänen haben sich verwischt
Diese Aussage kann Reinhard Quast von der Otto Quast Bau AG in Siegen nur unterstreichen. Er unterstützt das haus der Berufsvorbereitung voll und ganz. Die typischen Männerdomänen haben sich nach Meinung des Bauunternehmers im Lauf der Jahre verwischt. Zwar sind die Azubis im Bereich Straßen- oder Betonbau mehrheitlich junge Männer, doch in vielen anderen Ausbildungsberufen sind Frauen auf dem Vormarsch. „Wichtig ist doch nur, dass die jungen Leute sich frühzeitig darüber im Klaren sind, wo ihre Fähigkeiten liegen“, meint Quast. Ob handwerklich begabt, kreativ veranlagt oder eher theoretisch-mathematisch interessiert – dementsprechend sollte die Berufswahl erfolgen.
Auch wenn Quasts Erfahrung nach die Schulabgänger immer weniger wissen, was sie eigentlich wollen. „Und genau deshalb ist das regionale Projekt so wichtig. Die jungen Leute können ihre zukünftigen Arbeitgeber in der Freizeit davon überzeugen, dass sie über den nötigen Ehrgeiz, Gewissenhaftigkeit und vor allem Ausdauer verfügen.“ Punkte, die gerade im Berufsleben eine übergeordnete Rolle spielen. So stellt sich für den Unternehmer nicht die Frage, dass er einen Hauptschüler mit Projektqualifizierung einem anderen Bewerber klar vorziehen würden. Ebenso Klaus Vetter, Inhaber der Vetter Fördertechnik GmbH. Der Siegener Kranspezialist stellt jedes Jahr gleich mehrere Auszubildende ein. Dabei kommt es dem Firmeninhaber nicht unbedingt auf gute Noten im Abschlusszeugnis an. „Vielmehr sollten unsere Azubis handwerkliches Geschick, eine gute Motivation und die gewisse technische Begeisterung mit in die Lehre bringen“, erklärt Vetter. „dinge, die sie im Regionalen Haus der Berufsvorbereitung lernen können. Im Vorstellungsgespräch zählt dann das Gesamturteil.“
Seit September werden 135 Zehntklässler der Hauptschulen in einem „Regionalen Haus der Berufsvorbereitung“ für die Lehrstelle fit gemacht. Konkret bedeutet dies, dass die Jugendlichen ein Langzeitpraktikum bei regionalen Bildungseinrichtungen absolvieren, was ihnen den Einstieg in eine Ausbildung erleichtern soll. Beteiligt sind neben dem Berufsbildungszentrum der IHK auch die überbetrieblichen Lehrwerkstätten und Schulungseinrichtungen AWZ Bau, DAA, bfw und BZW.
Und der Andrang auf das Berufsvorbereitungsprojekt war groß: Über 220 Mädchen und Jungen aus 20 Schulen des gesamten Kreisgebietes hatten sich um einen Platz im haus der Berufsvorbereitung beworben. Die Anzahl der Bewerber übertraf ebenso die Erwartungen der Organisatoren, wie die Finanzierungszusagen. Seit Beginn des Jahres kam ein Fördervolumen von rund 1,85 Millionen Euro zusammen. Besonders erfreulich: Neben dem Kreis Siegen-Wittgenstein (700.000 Euro), der ARGE (250.000) und der Agentur für Arbeit (370.000) stellte die regionale Wirtschaft bisher Finanzmittel in Höhe von 271.000 Euro bereit. Hinzu kommen Mittel der BP-Stiftung, der Grohe-Stiftung sowie der Deutsche-Bank-Stiftung von noch einmal 265.000 Euro.
„Es ist damit gelungen, eine breite Initiative zur Stärkung der Hauptschulen im Kreis Siegen-Wittgenstein in Gang zu setzen, für die es landesweit keine Parallelen gibt und die nahezu ausschließlich aus der Region heraus finanziert wird“, erklärte Klaus Gräbener, zuständiger Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung der IHK Siegen und in Personalunion Leiter des Berufsbildungszentrums , nicht ohne Stolz. Er möchte die Hauptschüler – ähnlich dem bereits abgeschlossenen Werkstattprojekt – fördern aber auch fordern. Die Mädchen und Jungen durchlaufen freiwillig jeweils freitags nachmittags und samstagvormittags einen ihre Schulzeit ergänzenden Lehrgang von rund 570 Unterrichtsstunden. Da die fünf verschiedenen Bildungseinrichtungen mit im Boot sind, tragen sie Sorge dafür, dass die Jugendlichen inhaltlich in unterschiedliche Berufsfelder eingeführt werden und nach Ende der zehnten Klasse mit großer Wahrscheinlichkeit nahtlos in eine betriebliche Lehrstelle wechseln. Voraussetzung: Die Teilnehmer müssen mit einer Präsenzquote von mindestens 90 Prozent beweisen, dass sie über die notwendigen Sekundärtugenden verfügen.

„Es sind keineswegs allein fachliche Defizite, die die Betriebe bei den Hauptschülern ausmachen“, erzählt Projektleiterin Uta Fiedler von ihrer täglichen Arbeit. „Vor allem mangelt es nach Auffassung der Personalverantwortlichen an grundsätzlichen Dingen wie Fleiß, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Zuverlässigkeit oder Ausdauer. Auch die nötige Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft werden vermisst.“ Zurzeit ist die bbz-Mitarbeiterin damit beschäftigt, das Projekt weiter voranzutreiben und es zu optimieren. Dabei kämpft sie häufig mit den gleichen Problemen. Das größte davon besteht darin, dass die Berufswahl junger Menschen immer noch sehr stark klischeebehaftet ist. Während die Männer in den Bereich Kraftfahrzeugmechaniker und Einzelhandelskaufmann ihren Traumjob sehen, liegen bei den Mädchen Bürokauffrau, Arzthelferin und Friseurin auf der Beliebtheitsskala ganz oben. „Berufe, in denen die Bezahlung nicht immer die beste ist. Hinzu kommt eine schwerere Vermittlung“, bemängelt Fiedler. „Heutzutage sollten Frauen darüber nachdenken, ob sie sich nicht vorstellen können, in den Blaumann zu schlüpfen und sich für die Ausbildungen im Bereich Metall interessieren.“
Typische Männerdomänen haben sich verwischt
Diese Aussage kann Reinhard Quast von der Otto Quast Bau AG in Siegen nur unterstreichen. Er unterstützt das haus der Berufsvorbereitung voll und ganz. Die typischen Männerdomänen haben sich nach Meinung des Bauunternehmers im Lauf der Jahre verwischt. Zwar sind die Azubis im Bereich Straßen- oder Betonbau mehrheitlich junge Männer, doch in vielen anderen Ausbildungsberufen sind Frauen auf dem Vormarsch. „Wichtig ist doch nur, dass die jungen Leute sich frühzeitig darüber im Klaren sind, wo ihre Fähigkeiten liegen“, meint Quast. Ob handwerklich begabt, kreativ veranlagt oder eher theoretisch-mathematisch interessiert – dementsprechend sollte die Berufswahl erfolgen.
Auch wenn Quasts Erfahrung nach die Schulabgänger immer weniger wissen, was sie eigentlich wollen. „Und genau deshalb ist das regionale Projekt so wichtig. Die jungen Leute können ihre zukünftigen Arbeitgeber in der Freizeit davon überzeugen, dass sie über den nötigen Ehrgeiz, Gewissenhaftigkeit und vor allem Ausdauer verfügen.“ Punkte, die gerade im Berufsleben eine übergeordnete Rolle spielen. So stellt sich für den Unternehmer nicht die Frage, dass er einen Hauptschüler mit Projektqualifizierung einem anderen Bewerber klar vorziehen würden. Ebenso Klaus Vetter, Inhaber der Vetter Fördertechnik GmbH. Der Siegener Kranspezialist stellt jedes Jahr gleich mehrere Auszubildende ein. Dabei kommt es dem Firmeninhaber nicht unbedingt auf gute Noten im Abschlusszeugnis an. „Vielmehr sollten unsere Azubis handwerkliches Geschick, eine gute Motivation und die gewisse technische Begeisterung mit in die Lehre bringen“, erklärt Vetter. „dinge, die sie im Regionalen Haus der Berufsvorbereitung lernen können. Im Vorstellungsgespräch zählt dann das Gesamturteil.“


