„Krypto-Lehrgang“ für Oberstufenschüler mit Universitätsdozenten
13.10.2009 01:00
Mit einem völlig neuen Lehrgangsangebot für Oberstufenschüler wandte sich jetzt das Berufsbildungszentrum (bbz) der IHK Siegen an Mathematik- und Informatik-begeisterte Gymnasiasten der Region. Durch „Schülerkrypto" erhielten sie einen systematischen Überblick über symmetrische und asymmetrische Verschlüsselungen. Die Resonanz war überwältigend. Aus insgesamt fünf Gymnasien nahmen 76 Schülerinnen und Schüler an zwei Tageslehrgängen teil. Sie lernten die Informatik und die Mathematik an diesen Tagen von einer in der Schule eher unbekannten Seite kennen - angefangen bei der vor knapp 2500 Jahren genutzten Skytale, über die von Julius Caesar genutzte Verschlüsselungsmethode „Caesar" bis hin zu den modernen AES- und RSA-Verfahren, die heute weltweit zur Verschlüsselung von Daten verwandt werden.
„Das bbz zielt mit dieser neuen Initiative darauf ab, noch mehr Technikbegeisterung in den Gymnasien zu entfachen. Wenn wir dem Ingenieurmangel wirkungsvoll begegnen wollen, muss den Schulen noch mehr dabei geholfen werden, praktisch orientierte Angebote in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern zu entwickeln," umriss bbz-Geschäftsführer Klaus Gräbener die Zielsetzung der Lehrgänge. Dabei wurde das Grundkonzept der „Schülerkrypto" von dem Bonn-Aachen-International-Center for Information Technology übernommen und praxisorientiert durch die Verwendung der Open-Source-Software CrypTool 1.4 und 2.0 ergänzt, da diese kostenfrei in den Schulen und auch zu Hause verwendbar sind.
Geleitet und inhaltlich gestaltet wurden die Lehrgänge durch Dr. Arno Wacker von der Universität Duisburg-Essen, einem der Kernentwickler von CrypTool 2.0, und weiteren bbz-Dozenten. Uta Fiedler, der im bbz für sämtliche Projekte im Themenfeld „Übergang Schule/Beruf" verantwortlichen Projektleiterin, war es zudem gelungen, an einem der beiden Tage Prof. Bernhard Esslinger zu gewinnen, der als Leiter der IT-Sicherheit bei der Deutschen Bank AG die mittlerweile weltweit eingesetzte Software CrypTool entwickelte. Prof. Esslinger, der seit dem Jahre 2001 auch als Gastdozent an der Universität Siegen lehrt, war von dem Grundansatz im bbz begeistert. Man könne nicht früh genug damit beginnen, insbesondere interessierte Oberstufenschüler an die spannenden Fragestellungen der IT-Sicherheit heranzuführen.
Bereits vor einigen Wochen führte das bbz für die Gymnasial-Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik eine „Lehrer-Fortbildung Kryptologie" durch. Bei dieser ebenfalls durch Dr. Wacker durchgeführten Schulung erhielten die Pädagogen neben einer Kurzeinführung im Umgang mit CrypTool 1.4 und 2.0 ebenfalls vertiefte Kenntnisse über maschinelle und computerbasierte Verschlüsselungsverfahren sowie einen Einblick über zukünftige Entwicklungen in der Quantenkryptologie. Diese Lehrer-Fortbildung wurde von 10 Pädagogen besucht, die im Anschluss daran innerhalb der Gymnasien die Schülerinnen und Schüler zum Besuch des auf sie zugeschnittenen Schulungsangebotes motivierten. Zugleich stellte die Lehrer-Fortbildung sicher, dass die Arbeit an Fragestellungen der IT-Sicherheit in den Gymnasien wirkungsvoll fortgesetzt werden kann.
Die Resonanz von Lehrern und Schülern auf dieses gemeinsam von bbz und der Agentur für Arbeit finanzierte Fortbildungsangebot war uneingeschränkt positiv. Grund genug für das bbz, im kommenden Jahr für die Gymnasien und Gesamtschulen der Region erneut diese Schulungen durchzuführen. Die bbz-Verantwortlichen hoffen dabei, mit Dr. Wacker und Prof. Esslinger erneut zwei hochkarätige Dozenten nach Siegen holen zu können, die die weltweite Weiterentwicklung der Open-Source-Software CrypTool leiten und koordinieren.
Unser Foto zeigt von links nach rechts: Dr. Arno Wacker, Prof. Bernhard Esslinger, Klaus Gräbener und Uta Fiedler


